So, nun bin ich richtig angekommen. Die ersten Bilder sind halbwegs sortiert (dass man in ein paar Tagen so viele Fotos machen kann!), der Chili-Berg, den ich geerntet habe, ist aufgearbeitet – nun will ich mal einige erste Bilder unseres Kurzausflugs zeigen.
Das Waldviertel ist für mich etwas Besonderes. Ich fühle mich in dieser sanft-hügeligen Landschaft mit den vielen großen Steinen, den tiefgrünen Wäldern und den kleinen Bächen und Flüssen unglaublich wohl. Es gibt eine ganze Menge an Plätzen, die man anschauen und genießen kann.
Station am ersten Tag war Arbesbach. Dort gibt es 16 als Steinjuwele ausgewiesene Plätze. Wir haben natürlich nur ein paar wenige davon besucht, um auch entsprechend Zeit zum Verweilen und Spüren zu haben.
Der erste Platz, den wir aufgesucht haben, ist der sog. Frauensitz. Eine große Gesteinsformation von der erzählt wird, dass „die Frau, die ein Kindlein wollte, durch Sitzen und Rutschen mit ihrem nackten Hinterteil auf dem Stein, bzw. über ihn, fruchtbar wurde“, ein Fels mit einer außergewöhnlich stark linksdrehenden Strahlung.
Für diejenigen, die eine Schwangerschaft lieber vermeiden wollen, lädt dieses gemütliche Bankerl direkt an einer der abfallenden Steinwände des Frauensitzes zum ungefährlichen Verweilen ein.
Da es zwischendurch immer wieder regnete, freuten wir uns besonders, als wir neben dem Frauensitz diesen netten Unterstand – wie ein natürlicher Balkon – entdeckten.
Am Weg zu unserem nächsten Ziel kamen wir durch diesen märchenhaften Wald. Der ganze Boden war mit leuchtend grünem Moos bedeckt. Ein unglaubliches Gefühl auf diesem weich-federnden Moosteppich zu gehen, fast schon wie Schweben.
Dass wir für alle Wege ein Vielfaches an Zeit benötigten, liegt daran, dass sich einem abseits der Wege die Fotomotive geradezu aufdrängten – wie dieser typische Waldviertler Moosdschungel.
Über weiche Pfade wandert man verträumt durch den Märchenwald, da tut sich plötzlich dieser bedrohlich wirkende Anblick vor einem auf.
Der Galgen, eine ehemalige Richtstätte. Drei Säulen sind auf einer Mauer aufgesetzt, auf einer Seite gibt es einen Eingang. Hier wurden Verurteilte auf grausame Weise durch Erhängen, Rädern und Verbrennen hingerichtet. Die letzte Hinrichtung fand 1728 statt.
Die Natur versucht das viele Grauen, das dieser Ort gesehen hat, mit besonders schönem Bewuchs wieder wett zu machen. Schöner könnte auch eine kundige Gärtnerhand das Plätzchen zwischen Säule und Mauer nicht bepflanzen.
Kerzenlicht gegen das Grauen in der gegenüberliegenden Ecke.
Ich mochte diesen Platz ganz und gar nicht. Ein beklemmendes Gefühl ließ mich schnell das Weite suchen. Auf der „Flucht“ fand ich diese wunderschöne moosbewachsene Steinformation in der Nähe – und wie immer bei Steinen, muss man einfach hinaufklettern.
Oben auf den Steinen dämmerte mir erst langsam, dass das viele Grau nicht der Stein war, dass das knallige Gelb keine aufgesprühte Farbe war – es waren Flechten. Rechts im Bild ein Baumstamm, der kaum vom Gestein zu unterscheiden ist. Auch er ist mit Flechten überzogen.
Nach ausgiebiger Betrachtung der wunderschönen Flechten – richtige Kunstwerke der Natur, mindestens so schön wie Korallen, aber leider kaum gewürdigt – traut man sich kaum mehr zu bewegen, um nur ja die gewachsenen Schönheiten nicht zu zertreten.
Überhaupt sind die Wälder im Weinviertel sehr flechten“reich“. Ganze Waldabschnitte haben nur Bäume, die bis zur halben Höhe völlig mit Flechten überzogen sind. Bei richtigem Lichteinfall ergibt das zusammen mit dem intensiven Grün des Mooses am Boden ein fast überirdisches Bild.
Den sog. Höllfall wollten wir als nächstes sehen. Wieder eine kleine Wanderung durch den Wald. Angeblich nur eine dreiviertel Stunde. Wir waren natürlich wieder eine halbe Ewigkeit unterwegs – was wir alles fanden!
Neben dem Weg gab es immer wieder Futterhäuschen für das Wild. Bei diesem hier hat die Natur schon das Dach begrünt, so fügt es sich ganz in die Umgebung ein.
Kurz darauf zog mich etwas magisch ins Dickicht hinauf. Nach 15 Schritten blinzelte etwas Rotes durch durch’s Gebüsch. Angepirscht – und da stand er. Makellos, leuchtend, lockend.
Weiter des Wegs fragte ich mich, ob hier etwa vor Jahrhunderten ein Gnom seine Höhle in der Wurzel mit einem Gesteinsbrocken verschlossen hat? Viel besser lässt sich der Eingang jedenfalls nicht tarnen!
Der Höllfall ist eine sehr romantische Schlucht, in der die Kamp über große Felsblöcke mal ruhig dahinfließt, mal etwas mehr plätschert und braust.
Rechts und links der engen Schlucht türmen sich steile Felsformationen gen Himmel. Hier sind wir auf der Seite der Hölle.
Wer sich nicht wohl fühlt in der Hölle, muss nur die Seite wechseln… Gegenüber türmt sich eine ebenso hohe Felslandschaft auf, der Himmel.
Sehr beeindruckend finde ich, wie es Bäume schaffen, sich in diesem felsigen Untergrund zu verwurzeln. Dass sie wahre Künstler dabei sind, Lebensraum zu erobern, zeigt zum Beispiel der Wuchs eines Baumes an dieser Felswand (in etwa Bildmitte). Er macht erst eine Schlinge vom Felsblock weg, um dann sein Wachstum endlich auch himmelwärts richten zu können.
Etwas weiter den Höllfall entlang, schneidet sich die Kamp immer tiefer ins Gestein ein. Auch hier locken einen zahlreiche Trampelpfade zwischen den Farnen und Bäumen vom Weg hinab zum Wasser.
So verging die Zeit am ersten Tag wie im Flug. Es gab einfach so viel „Kleines“ zu Sehen, so schöne Moose, Flechten, Pflanzen – Farne, Eisenhut, Engelwurz, verschiedenste Glockenblumenarten etc. -, verschiedenste Schwammerl, verwachsene Bäume. Und dann waren da auch noch die Heidelbeeren, die uns für eine Stunde aufhielten. Mit blauen Zungen und Händen und sehr zufrieden fanden wir dann schließlich gegen Abend den Weg in unser Quartier.