Ich gehe nochmals auf einen Aspekt des „faulen Gemüsegärnterlebens“ näher ein, den ich schon im vorigen Beitrag kurz angerissen habe. Sicherlich hängt ein Großteil des Erfolgsgefühls und der Lust am Gemüsegärntern davon ab, dass man die für sich passenden Pflanzen anbaut und damit Ärger und Zeit spart. Deshalb sollte die Auswahl der richtigen Gemüse- und Salatarten und -sorten gut überlegt sein. Ich stehe hier auch noch am Anfang. Einiges habe ich aber schon ausprobiert und gelernt in den letzten Jahren.
Das Optimum sind natürlich ausdauernde Pflanzen, die den Winter überstehen, jedes Jahr wieder austreiben und beerntet werden können. Das spart viel Zeit, die man sonst in die alljährliche Anzucht investieren müsste.

Blätter des Guten Heinrich
Mein absoluter Favorit unter den ausdauernden Gemüsepflanzen ist der Gute Heinrich (Chenopodium bonus-henricus), ein Gänsefußgewächs. Der Gute Heinrich lässt sich hervorragend als Spinat verwenden. Er ist das ganze Jahr über zu beernten, treibt jedes Jahr schon früh aus und liefert ohne Arbeitsaufwand das ganze Jahr über Spinat.

Wilder Rauke
Sehr praktisch ist auch die Wilde Rauke (Rucola silvatica), die Wildform der Italienischen Rauke. Sie hat schmälere Blätter als die einjährige kultivierte Form und schmeckt intensiver. Wer Rucola als Beigabe in den Salat mag, kommt gut mit der Wilden Rauke aus. Mit mehreren Pflanzen ersetzt sie komplett den einjährigen Rucola. Sie ist winterhart und vom Frühling bis in den Winter zu beernten.
Auch die Türkische Rauke (Bunias orientalis) kommt jedes Jahr verlässlich wieder. Sie schmeckt sehr intensiv, ein wenig nach Rettich und landet bei mir immer im Salat als pikante, vitaminreiche Zugabe.

Brunnenkresse
Ebenfalls ausdauernd und gut für Salat, auf Butterbrote, in Suppen oder Aufstriche ist die Brunnenkresse (Nasturtium officinale). Seit ich Brunnenkresse in meinem Feuchtbeet kultiviere, baue ich keine Kresse mehr an und spare damit auch wieder Zeit. Zudem ist die Brunnenkresse mit ihren großen Blättern wesentlich schneller gewaschen.
Im Feuchtbeet hat sich auch wunschgemäß die Bachbunge (Veronica beccabunga) breitgemacht. Winterhart, ausdauernd, vitaminreich und dazu noch hübsche blaue Blüten – was will man mehr! Vom Frühling bis zum Winter habe ich so eine feldsalatähnliche Pflanze jederzeit zur Verfügung.
Apropos immer zur Verfügung: Wer Bärlauch liebt, aber bedauert, dass dieser nur im Frühling zu ernten ist, sollte sich Chinesischen Schnittknoblauch (Allium tuberosum) anschaffen. Auch er ganzjährig zu beernten, winterhart und ausdauernd. Der Geschmack steckt im Namen: Lauch mit leichtem Knoblauchgeschmack. Gut geeignet für Suppen, Aufstriche oder asiatische Wok-Gerichte. Und er legt von Jahr zu Jahr an Umfang zu, sodass er sich schon bald teilen lässt.
Wem es zuviel Arbeit ist, jedes Jahr Lauch anzubauen, der kann sich einfach Ausdauernden Lauch (Allium species) in den Garten holen. Ein Lauch mit wesentlich dünneren Stangen (Stängeln wäre hier das richtige Wort). Aber wer nur kleine Mengen Lauch benötigt, wird damit zufrieden sein: Ausdauernd, vom Frühling bis zum Winter verfügbar, macht überhaupt keine Arbeit.

Von links nach rechts: blühender Schnittknoblauch, dazwischen Kohlrabi, dann Ausdauernder Lauch, Wilde Rauke, Abschluss der Reihe mit Schnittlauch
Ebenso aus der Familie der Allium-Gewächse stammt die Winterheckenzwiebel (Allium fistulosum). Eine winterharte, ausdauernde Lauch-Art, deren kräftige grüne Röhren das ganze Jahr über beerntet werden können. Ich verwende sie gerne als Salatbeigabe oder als Zwischendurch-Mahlzeit auf ein Butterbrot. Macht, einmal im Garten, null Arbeit und liefert vom Frühling bis in den Winter immer frisches Grün.
Blauen Lattich und einige andere ausdauernde Pflanzen, die sich als Gemüse oder Salat eignen werde ich noch ausprobieren.
Ich hab in den letzten Jahren gelernt, dass der Lustfaktor nicht nur vom zeitsparenden Anbau abhängt, sondern auch von einer möglicht unkomplizierten, raschen Verarbeitung.
Was mich an Gemüse und Salaten wirklich nervt, ist, wenn ich sehr viel Zeit zum Waschen benötige. Deshalb baue ich z.B. fast nur mehr Mangold mit wenig bis nicht gekräuselten Blättern an. Die beliebte Sorte „Lukullus“ hat mir zu „unübersichtliche“ Blätter, da dauert das Waschen ewig. Der rotstielige „Vulkan“ oder die buntstielige Sorte „Bright Lights“ hingegen haben viel glattere Blätter. Da geht das Waschen ruckzuck. Ebenso achte ich bei Salatsorten darauf, stark gekräuselte und kleingefiederte zu vermeiden. Es dauert zum Beispiel erheblich länger einen „Lollo Rosso“ zu waschen, als den „Amerikanischen Braunen“. Leider gibt es in Gärtnereien oft nur Lollos oder Eichblattsalate als Pflanzerl zu kaufen. Da bleibt dann nur die eigene Aussaat. Das Säen, Pikieren und Verpflanzen braucht natürlich Zeit. Deshalb greife ich oft auf eine andere Methode zurück, um an die gewünschte Sorte der Salatjungpflanzen zu kommen: die Selbstaussaat.

Selbst aufgegangene Salatpflanzerl
Salatpflanzen, die ich mag, lasse ich sehr gern blühen. So säen sie sich selbst aus. Die Jungpflanzen sind meist kräftiger als mühsam in der Anzuchtschale ausgesäte und pikierte. Von den jungen Salaten, die sich selber ihr Plätzchen im Garten gesucht haben, ernte ich dann noch im selben Jahr im Herbst bis in den Winter hinein. Manche Samen keimen erst im Frühling und wachsen zu robusten Salatköpfen heran. Wenn eine Pflanze dort, wo sie aufgegangen ist, im Weg steht, kann ich sie ja jederzeit verpflanzen.
Beim Mangold, Melde (Atriplex hortensis) und Riesengänsefuß (Chenopodium giganteum), allesamt als Blattgemüse und Salat zu verwenden, funktioniert die Selbstaussaat übrigens auch sehr gut.
Erstaunlicherweise funktioniert die Selbstaussaat auch bei einer Mulchdecke. So richtig dick mulche ich ja nicht. Anscheinend gerade soviel, dass die Keimlinge nicht überhand nehmen und es trotzdem genug schaffen.
Ein Ärgernis ist es, wenn Salate zu sehr von Schnecken befallen sind. Mit der richtigen Sortenwahl lässt sich dieses Problem ein klein wenig mildern. Ich ziehe Pflücksalate den geschlossenen Köpfen vor, denn in Pflücksalaten mit ihren eher offenen Köpfen entdeckt man die Schnecken leichter. In geschlossenen Salatköpfen können die Schleimer auch tagsüber bleiben und fressen diese von innen her richtiggehend auf. Spargelsalate und dunkelrote Salatsorten mögen sie weniger als hellgrüne Sorten. Warum? Keine Ahnung. Ist einfach meine persönliche Erfahrung.
Auf Spinat haben Schnecken richtigen Heißhunger. Dieses Problem habe ich dadurch gelöst, dass ich Guten Heinrich anbaue, der erstens keine Arbeit mehr macht, wenn er einmal etabliert ist und zweitens von den Schnecken in unserem Garten weithgehend gemieden wird. Warum? Wiederum keine Ahnung.
Den Anbau von „Ärger-Gemüse“ lasse ich bleiben. Damit meine ich Kulturen, die trotz mehrmaligem Versuch keinen nennenswerten Ertrag bringen. Entweder weil die Pflanzen immer nur mickern (vielleicht hat man einfach nicht die richtigen Bedingungen – Bodenbeschaffenheit, Lichtverhältnisse, Klima) oder regelmäßig sehr stark von Schädlingen befallen werden. So erging es mir mit Radies und Radieschen immer. Jedes Jahr habe ich mich geärgert über die Radieschen, die alle „wurmig“ waren, wie es im Volksmund so schön heißt. Beim Umschauen nach einer Alternative für Radieschen -auf den Rettichgeschmack will ich nicht verzichten – bin auf den „Rattenschwanzrettich“ (Raphanus caudatus) gestoßen. Von den Rattenschwänzen isst man die jungen, zarten Samenstände. Für mich sind sie ein perfekter, leicht zu kultivierender Ersatz für Radieschen – und ich muss mich nicht mehr jedes Jahr ärgern. Auf den Anbau von Kohl verzichte ich fast völlig. Der Befall mit den Raupen des Kohlweißlings ist einfach zu groß, da hilft auch die kunterbunteste Mischkultur nichts. Und Absammeln kommt bei Raupen für mich nicht in Frage. Erstens mag ich Schmetterlinge, zweitens will ich die Zeit nicht investieren. Somit gehört Kohl zu dem wenigen Gemüse, das gekauft wird. Abgesehen von Pak Choi und Kohlrabi. Die beiden Kohlarten werden kaum von Raupen heimgesucht und bringen passable Erträge.
Das mag jetzt nach „Weg des geringsten Widerstandes“ klingen, aber was soll’s. Gemüseanbau soll ja Spaß machen!

Stangenbohnen tragen reichlich, zuverlässig und machen kaum Arbeit
Im Gegensatz zum „Ärger-Gemüse“ gibt es auch richtiggehende „Spaß-Kulturen“: Gemüsearten, die immer Freude bringen, weil sie einfach sind und zuverlässig tragen. Darunter fallen bei mir zum Beispiel die Zucchinis, die es ja auch in vielen Farben und Formen gibt. Fast jedes Jahr kommt es unweigerlich so weit: Die Zucchinischwemme ist da. Dann müssen Nachbarn und Freunde herhalten… Ähnlich ist es mit Stangenbohnen. Die Arbeit hält sich in ganz engen Grenzen. Der Ertrag ist bei richtiger Sortenwahl riesig, der Anblick eine Freude, die Verarbeitung geht zügig.
Weiter geht’s mit dem „Plädoyer für den Gemüsegarten“ demnächst im fünften Teil:
„Gemüsegarten V – Beeren, Kräuter und Obst„
Die vorangegangenen Teile zum Nachlesen:
Gemüsegarten I – Eine Leidenschaft
Gemüsegarten II – Unendliche Vielfalt
Gemüsegarten III – Faul sein